Krankengeld berechnen: So ermitteln Sie die Höhe

Krankengeld berechnen

Wenn du Krankengeld beziehst, möchtest du genau wissen, wie hoch es ausfällt und welche Faktoren deine Auszahlung beeinflussen. Eine präzise Berechnung ist essenziell, um deine finanzielle Planung während der Arbeitsunfähigkeit zu sichern. Dieser Leitfaden erklärt dir Schritt für Schritt, wie du dein Krankengeld ermittelst und worauf du achten musst.

Krankengeld berechnen

Grundlagen der Krankengeldberechnung

Krankengeld ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, die dir gezahlt wird, wenn du wegen Krankheit deinen Beruf nicht ausüben kannst. Es soll deinen Verdienstausfall ausgleichen, allerdings nur zu einem bestimmten Prozentsatz. Die Berechnung basiert auf deinem regelmäßigen Arbeitsentgelt, jedoch gibt es gesetzliche Höchst- und Mindestgrenzen.

Wer hat Anspruch auf Krankengeld?

Anspruch auf Krankengeld haben in der Regel alle Mitglieder einer gesetzlichen Krankenkasse, die:

  • Erwerbstätig sind (Arbeitnehmer, geringfügig Beschäftigte, Arbeitslose, die Arbeitslosengeld beziehen).
  • Aufgrund von Krankheit arbeitsunfähig im Sinne des Sozialgesetzbuches sind.
  • Die ärztliche Feststellung der Arbeitsunfähigkeit erfolgt durch einen Arzt, der eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) ausstellt.
  • Die Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Wochen ununterbrochen dauert. Für die Berechnung dieser Dauer werden auch Wochenenden und Feiertage mitgezählt.
  • In den letzten 12 Monaten vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit mindestens 90 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen erzielt haben.

Wie wird das regelmäßige Arbeitsentgelt ermittelt?

Das regelmäßige Arbeitsentgelt ist die Grundlage für die Krankengeldberechnung. Es umfasst alle Bezüge, die du während des Bemessungszeitraums – in der Regel die letzten 12 Kalendermonate vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit – regelmäßig und unmittelbar für deine Arbeit erhalten hast. Hierzu zählen:

  • Grundgehalt
  • Leistungsbezogene Zahlungen (z. B. Provisionen, Prämien), sofern sie regelmäßig fließen
  • Überstundenvergütungen, wenn diese regelmäßig anfallen
  • Zuschläge (z. B. für Nacht-, Sonn- oder Feiertagsarbeit), falls sie regelmäßig gezahlt werden

Nicht zum regelmäßigen Arbeitsentgelt zählen einmalige Zahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, diese werden nur unter bestimmten Voraussetzungen und mit Begrenzungen berücksichtigt.

Berechnung des Krankengeldes: Der genaue Ablauf

Die Berechnung deines Krankengeldes ist ein mehrstufiger Prozess, der auf deinem durchschnittlichen Verdienst der letzten 12 Monate basiert. Es gibt eine feste Formel, die deine Krankenkasse anwendet.

Die Krankengeldformel

Das kalendertägliche Krankengeld beträgt grundsätzlich 70 Prozent des erzielten regelmäßigen Arbeitsentgelts. Es darf jedoch 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts nicht übersteigen. Hier die Formel:

Tägliches Krankengeld = 70 % des Brutto-Regelentgelts, maximal 90 % des Netto-Regelentgelts

Wichtig dabei ist, dass die Berechnung auf dem Bruttoarbeitsentgelt basiert, aber eine Obergrenze durch das Nettoarbeitsentgelt definiert wird. Die Krankenkasse zieht Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung vom Brutto-Krankengeld ab, was zu deinem tatsächlichen Auszahlungsbetrag führt.

Beispielrechnung:

Angenommen, dein regelmäßiges Bruttoarbeitsentgelt im Bemessungszeitraum beträgt durchschnittlich 3.000 Euro pro Monat. Das sind rund 100 Euro pro Tag (3.000 Euro / 30 Tage).

  • 70 % von 100 Euro = 70 Euro (brutto tägliches Krankengeld)
  • Nehmen wir an, dein Nettoarbeitsentgelt beträgt 2.000 Euro pro Monat, also ca. 66,67 Euro netto pro Tag.
  • 90 % von 66,67 Euro = 60 Euro.
  • Da 70 Euro (aus 70% vom Brutto) höher sind als 60 Euro (90% vom Netto), beträgt dein tägliches Krankengeld 60 Euro.

Von diesem Betrag werden noch Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Das Krankengeld wird für Kalendertage gezahlt, also auch für Samstage, Sonntage und Feiertage.

Berücksichtigung von Obergrenzen

Es gibt gesetzliche Obergrenzen für das Krankengeld. Das tägliche Krankengeld darf nicht höher sein als das sogenannte Regelentgelt-Höchstbetrag (Jahresarbeitsentgeltgrenze). Dieser Betrag wird jährlich angepasst. Die Berechnung erfolgt auf Basis der Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung. Für 2024 liegt die monatliche Beitragsbemessungsgrenze bei 5.175 Euro. Daraus ergibt sich ein tägliches Höchstentgelt, das für die Krankengeldberechnung herangezogen wird.

Berücksichtigung von Untergrenzen (Mindestkrankengeld)

Auch für das Krankengeld gibt es eine Untergrenze. Wenn dein tatsächliches tägliches Krankengeld nach der 70%-Regelung unter einer bestimmten Mindesthöhe liegt, erhältst du mindestens das Mindestkrankengeld. Dieses orientiert sich ebenfalls an gesetzlichen Vorgaben und soll sicherstellen, dass du auch bei geringerem Verdienst eine gewisse finanzielle Absicherung hast.

Die Rolle der Krankenkasse bei der Berechnung

Deine Krankenkasse ist die zuständige Stelle für die Ermittlung und Auszahlung deines Krankengeldes. Sie benötigt dafür verschiedene Informationen, die in der Regel von deinem Arbeitgeber oder von dir selbst eingereicht werden.

Welche Unterlagen werden benötigt?

Um dein Krankengeld korrekt berechnen zu können, benötigt deine Krankenkasse folgende Unterlagen:

  • Die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung), die du von deinem Arzt erhältst.
  • Informationen zu deinem regelmäßigen Arbeitsentgelt, die dein Arbeitgeber über die elektronische Sofortmeldung an die Krankenkasse übermittelt.
  • Bei Selbstständigen oder anderen Besonderheiten können zusätzliche Nachweise erforderlich sein.

Es ist wichtig, dass die AU-Bescheinigungen lückenlos ausgestellt werden, um Unterbrechungen im Krankengeldbezug zu vermeiden. Jede Bescheinigung muss das Ausstellungsdatum, die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit und die Diagnose (die der Krankenkasse zur Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen dient, aber nicht an den Arbeitgeber weitergegeben wird) enthalten.

Wie erfolgt die Auszahlung?

Nachdem alle Informationen vorliegen und die Krankenkasse deinen Anspruch geprüft und die Höhe des Krankengeldes ermittelt hat, erfolgt die Auszahlung in der Regel monatlich im Nachhinein. Die Auszahlung erfolgt direkt auf dein Bankkonto. Bezieher von Krankengeld müssen weiterhin ihre Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung leisten. Ein Teil dieser Beiträge wird vom Krankengeld abgezogen, den Rest zahlt die Krankenkasse.

Sonderfälle und Besonderheiten bei der Krankengeldberechnung

Nicht jeder Fall ist gleich. Es gibt spezifische Situationen, die eine abweichende Berechnung oder zusätzliche Aspekte bei der Krankengeldberechnung mit sich bringen können.

Krankengeld bei Arbeitslosigkeit

Wenn du arbeitslos bist und Arbeitslosengeld (ALG I) beziehst, hast du unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls Anspruch auf Krankengeld. Die Berechnungsgrundlage ist dann das zuletzt bezogene Arbeitslosengeld. Das Krankengeld wird von der Agentur für Arbeit und der Krankenkasse koordiniert. Die Krankenkasse zahlt das Krankengeld, aber die Berechnung orientiert sich an den Vorgaben des Arbeitslosengeldes.

Krankengeld für Selbstständige und Freiberufler

Selbstständige und Freiberufler, die freiwillig oder pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, können Krankengeld beziehen, sofern sie dies in ihrem Versicherungsvertrag vereinbart haben. Die Berechnungsgrundlage ist dann das Einkommen, das du der Krankenkasse als beitragspflichtige Einnahme gemeldet hast. Die Höhe des Krankengeldes hängt von der gewählten Beitragsbemessungsgrenze und den damit verbundenen Beitragszahlungen ab.

Krankengeld bei Bezug von anderen Leistungen

Wenn du neben dem Krankengeld noch andere Leistungen beziehst (z. B. Rente), kann dies die Höhe deines Krankengeldes beeinflussen. In der Regel wird das Krankengeld erst nachrangig gezahlt oder es kommt zu einer Anrechnung, um eine doppelte Leistungsgewährung zu vermeiden.

Ruhen des Krankengeldanspruchs

Dein Anspruch auf Krankengeld kann ruhen, wenn du beispielsweise eine Rente wegen voller Erwerbsminderung beziehst oder wenn du im Ausland bist und dort eine Leistung erhältst, die dem Krankengeld entspricht. Auch bei Aufnahme einer Erwerbstätigkeit während der Arbeitsunfähigkeit kann der Anspruch auf Krankengeld ruhen oder entfallen.

Tipps zur Optimierung deiner Krankengeldberechnung

Auch wenn die Berechnungsgrundlagen gesetzlich festgelegt sind, gibt es einige Aspekte, die du beachten kannst, um sicherzustellen, dass deine Krankengeldhöhe korrekt ermittelt wird und du keine finanziellen Nachteile hast.

Frühzeitige Information und Kommunikation

Informiere dich proaktiv über deine Rechte und Pflichten bezüglich des Krankengeldes. Stelle sicher, dass dein Arbeitgeber alle relevanten Daten korrekt an die Krankenkasse übermittelt. Bei Unklarheiten solltest du dich umgehend mit deiner Krankenkasse in Verbindung setzen.

Prüfung der AU-Bescheinigungen

Achte darauf, dass deine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen lückenlos und korrekt ausgestellt sind. Jede Lücke kann zu einer Unterbrechung der Krankengeldzahlung führen. Melde dich umgehend bei deinem Arzt, wenn deine Arbeitsunfähigkeit länger andauert als zunächst bescheinigt.

Verständnis der Bemessungsgrundlage

Versuche, die Zusammensetzung deines regelmäßigen Arbeitsentgelts zu verstehen, das für die Berechnung herangezogen wird. Wenn du beispielsweise regelmäßig Überstunden machst oder zusätzliche Boni erhältst, die nicht in der Berechnung berücksichtigt wurden, sprich dies bei deiner Krankenkasse an.

Übersicht der Krankengeldberechnung

Kategorie Beschreibung Wichtige Faktoren Auswirkungen auf die Höhe
Regelmäßiges Arbeitsentgelt Durchschnittliches Einkommen der letzten 12 Monate vor Krankengeldbeginn Bruttogehalt, regelmäßige Zulagen, Provisionen Direkter Einfluss auf den Grundbetrag des Krankengeldes
Gesetzliche Prozentsätze Grundregel: 70% des Bruttoentgelts, max. 90% des Nettoentgelts Höhe des Brutto- und Nettoverdienstes Festlegung der Obergrenze des Krankengeldes
Sozialversicherungsbeiträge Abzüge für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung Beitragsbemessungsgrenzen, persönlicher Beitragssatz Reduzierung des Auszahlungsbetrages auf das Nettokrankengeld
Obergrenzen Jährliche Höchstgrenzen für das Krankengeld (orientiert an der Beitragsbemessungsgrenze) Monatliche Beitragsbemessungsgrenze Begrenzt die maximale Höhe des Krankengeldes
Untergrenzen Gesetzliche Mindesthöhe des Krankengeldes Grundlohn und allgemeine Lebenshaltungskosten Sichert ein Mindestmaß an finanzieller Absicherung

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Krankengeld berechnen: So ermitteln Sie die Höhe

Wie lange bekomme ich Krankengeld?

Grundsätzlich besteht der Anspruch auf Krankengeld für maximal 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Krankheit. Dies gilt, wenn du während dieser Zeit durchgehend oder mit kurzen Unterbrechungen arbeitsunfähig bist. Nach Ablauf dieser Frist endet der Anspruch.

Wann beginnt die Auszahlung meines Krankengeldes?

Die Auszahlung des Krankengeldes beginnt in der Regel am Tag nach dem Ende der Entgeltfortzahlung durch deinen Arbeitgeber. Dein Arbeitgeber zahlt dir dein reguläres Gehalt für die ersten sechs Wochen deiner Arbeitsunfähigkeit. Ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit übernimmt die Krankenkasse die Zahlung des Krankengeldes.

Was passiert, wenn meine Arbeitsunfähigkeit länger als 6 Wochen dauert?

Wenn deine Arbeitsunfähigkeit länger als sechs Wochen andauert, bekommst du ab dem 43. Tag der Krankschreibung Krankengeld von deiner gesetzlichen Krankenkasse. Dein Arbeitgeber stellt die Lohnfortzahlung ein. Die Krankenkasse zahlt dann das Krankengeld, bis deine Arbeitsunfähigkeit endet oder die Höchstbezugsdauer von 78 Wochen erreicht ist.

Werden Überstunden bei der Berechnung des Krankengeldes berücksichtigt?

Ja, regelmäßige und dauerhafte Überstunden können bei der Berechnung des Krankengeldes berücksichtigt werden, wenn sie Teil deines regelmäßigen Arbeitsentgelts sind. Einmalige oder sporadische Überstunden fließen in der Regel nicht in die Berechnung ein. Deine Krankenkasse prüft hierzu die Angaben deines Arbeitgebers.

Muss ich Steuern auf das Krankengeld zahlen?

Krankengeld ist zwar grundsätzlich steuerfrei, unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass das Krankengeld bei der Ermittlung deines persönlichen Steuersatzes für dein übriges Einkommen im selben Jahr berücksichtigt wird. Dies kann dazu führen, dass dein Einkommensteuerbescheid höher ausfällt, wenn du neben dem Krankengeld noch andere steuerpflichtige Einkünfte hast.

Was sind die Grenzen für das Krankengeld?

Das tägliche Krankengeld darf 70 % des regelmäßigen Bruttoarbeitsentgelts nicht übersteigen. Gleichzeitig darf es aber auch nicht mehr als 90 % deines Nettoarbeitsentgelts betragen. Zusätzlich gibt es jährlich angepasste absolute Höchstgrenzen, die sich an der Beitragsbemessungsgrenze orientieren.

Kann ich neben dem Krankengeld arbeiten gehen?

Grundsätzlich ist es dir während des Bezugs von Krankengeld nicht gestattet, eine Erwerbstätigkeit auszuüben, da dies die Annahme deiner Arbeitsunfähigkeit widerlegen würde. Es gibt jedoch Ausnahmen, beispielsweise wenn die Tätigkeit geringfügig ist und vom Arzt explizit genehmigt wurde. In solchen Fällen kann es sein, dass das Krankengeld angerechnet wird oder der Anspruch ruht.

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