Ist Krankengeld steuerpflichtig? Progressionsvorbehalt einfach erklärt

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Du fragst dich, ob dein Krankengeld versteuert werden muss und was der Progressionsvorbehalt damit zu tun hat? Diese Frage beschäftigt viele, die nach einer Krankheit wieder auf die Beine kommen und wissen möchten, welche finanziellen Konsequenzen auf sie zukommen. Hier erfährst du alles Wichtige dazu, wie Krankengeld die Steuerlast beeinflusst.

Krankengeld: Was es ist und wann es anfällt

Krankengeld ist eine Lohnersatzleistung, die du von deiner gesetzlichen Krankenversicherung erhältst, wenn du nach einer ärztlichen Feststellung länger als sechs Wochen ununterbrochen krankgeschrieben bist und deswegen deiner Arbeit nicht nachgehen kannst. Es soll dir helfen, deine finanziellen Einbußen während der Arbeitsunfähigkeit abzufedern. Die Höhe des Krankengeldes berechnet sich in der Regel nach deinem durchschnittlichen Bruttoverdienst der letzten zwölf Monate vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit, abzüglich der gesetzlichen Abzüge für Beiträge zur Sozialversicherung.

Ist Krankengeld steuerpflichtig? Die direkte Antwort

Die kurze Antwort lautet: Krankengeld selbst unterliegt nicht direkt der Einkommensteuer. Das bedeutet, auf den ausgezahlten Betrag des Krankengeldes werden keine Steuern erhoben. Das Finanzamt zieht dir also keine Einkommensteuer vom Krankengeld ab, so wie es das bei deinem regulären Gehalt tut. Das ist eine wichtige Erleichterung für dich, wenn du gerade mit einer Krankheit kämpfst.

Der Progressionsvorbehalt: Was genau passiert mit deinem Krankengeld?

Hier wird es spannend, denn obwohl das Krankengeld nicht direkt versteuert wird, hat es dennoch Einfluss auf deine Steuererklärung. Dieser Einfluss wird durch den sogenannten Progressionsvorbehalt gesteuert. Das bedeutet, dass dein Krankengeld bei der Ermittlung deines persönlichen Steuersatzes berücksichtigt wird. Auch wenn das Krankengeld selbst steuerfrei bleibt, erhöht es dein zu versteuerndes Einkommen für die Berechnung des Steuersatzes, der dann auf deine anderen, steuerpflichtigen Einkünfte angewendet wird.

Wie funktioniert der Progressionsvorbehalt in der Praxis?

Stell dir vor, du hast während des Jahres neben dem Krankengeld auch noch andere Einkünfte erzielt, zum Beispiel aus einer selbstständigen Tätigkeit, die du vor der Krankheit hattest, oder aus Vermietung und Verpachtung. Das Finanzamt addiert nun die steuerfreien Lohnersatzleistungen wie das Krankengeld zu deinen steuerpflichtigen Einkünften, um einen fiktiven Gesamtbetrag zu ermitteln. Mit diesem fiktiven Gesamtbetrag wird dann ein höherer Steuersatz ermittelt. Dieser höhere Steuersatz wird schließlich auf deine tatsächlich zu versteuernden Einkünfte angewendet.

Ein einfaches Beispiel:

  • Dein reguläres steuerpflichtiges Einkommen im Jahr beträgt 30.000 Euro.
  • Du hast Krankengeld in Höhe von 10.000 Euro erhalten, das steuerfrei ist.
  • Das Finanzamt rechnet nun 30.000 Euro + 10.000 Euro = 40.000 Euro.
  • Auf Basis dieser 40.000 Euro wird dein individueller Steuersatz ermittelt. Wenn dein Steuersatz für 30.000 Euro beispielsweise 20% wäre, könnte er für 40.000 Euro bei 25% liegen.
  • Auf deine tatsächlichen steuerpflichtigen 30.000 Euro werden dann diese 25% angewendet, was zu einer höheren Steuerlast führt, als wenn das Krankengeld nicht berücksichtigt worden wäre.

Welche Lohnersatzleistungen fallen unter den Progressionsvorbehalt?

Neben dem Krankengeld gibt es noch weitere Lohnersatzleistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen. Dazu gehören:

  • Arbeitslosengeld I: Die Leistung der Agentur für Arbeit für Arbeitsuchende.
  • Kurzarbeitergeld: Wenn dein Arbeitgeber dich aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten nur noch in Teilzeit beschäftigt.
  • Insolvenzgeld: Eine Leistung, die du erhältst, wenn dein Arbeitgeber insolvent ist.
  • Elterngeld: Die staatliche Unterstützung für Eltern nach der Geburt eines Kindes.
  • Mutterschaftsgeld: Das Geld, das dir während der Schutzfristen vor und nach der Geburt gezahlt wird.
  • Übergangsgeld: Leistungen der Rentenversicherungsträger während der beruflichen Rehabilitation.
  • Verletztengeld: Wenn du aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit arbeitsunfähig bist.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Anwendung des Progressionsvorbehalts nicht auf das Krankengeld beschränkt ist. Wenn du mehrere dieser Leistungen im selben Steuerjahr erhalten hast, werden sie alle zusammen addiert, um den Steuersatz zu ermitteln.

Auswirkungen auf deine Steuererklärung

Deine Krankenkasse übermittelt die Höhe des von dir erhaltenen Krankengeldes automatisch an das Finanzamt. Du musst diese Information in der Regel nicht mehr selbst angeben, sie wird elektronisch übermittelt. Dennoch ist es ratsam, deine Beitragsbescheinigung der Krankenkasse gut aufzubewahren, da sie die genaue Höhe des ausgezahlten Krankengeldes ausweist.

In deiner Einkommensteuererklärung wird das Krankengeld dann im Mantelbogen (Hauptvordruck ESt 1 A) in der Anlage Sonderausgaben, Vorsorgeaufwendungen unter dem Punkt „Lohnersatzleistungen nach dem Einkommensteuergesetz“ eingetragen. Dort wird es für die Berechnung des erhöhten Steuersatzes berücksichtigt.

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Wann kann der Progressionsvorbehalt für dich vorteilhaft sein?

Auch wenn der Progressionsvorbehalt oft zu einer höheren Steuerbelastung führt, gibt es Konstellationen, in denen er sich auch positiv auswirken kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn du während des Jahres sehr hohe steuerpflichtige Einkünfte hattest und das Krankengeld nur für einen kurzen Zeitraum bezogen hast. In solchen Fällen könnte die Hinzurechnung des Krankengeldes unter Umständen dazu führen, dass dein durchschnittlicher Steuersatz im Vergleich zu deinen anderen Einkünften nicht mehr so stark ansteigt, als wenn du das Krankengeld als alleinige Einkunftquelle hättest.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies eher die Ausnahme ist. In den meisten Fällen führt der Progressionsvorbehalt zu einer Nachzahlung im Rahmen der Einkommensteuererklärung.

Tabellarische Übersicht: Krankengeld und der Progressionsvorbehalt

Aspekt Erklärung Auswirkung
Direkte Steuerpflicht Das ausgezahlte Krankengeld selbst ist nicht einkommensteuerpflichtig. Du zahlst keine Einkommensteuer auf den Betrag des Krankengeldes.
Progressionsvorbehalt Krankengeld wird zur Ermittlung deines persönlichen Steuersatzes herangezogen. Dein Steuersatz für andere, steuerpflichtige Einkünfte wird erhöht.
Berechnung des Steuersatzes Das Finanzamt addiert die steuerfreien Lohnersatzleistungen (wie Krankengeld) zu deinem zu versteuernden Einkommen, um einen fiktiven Gesamtbetrag zu ermitteln. Auf Basis dieses fiktiven Gesamtbetrags wird ein höherer Steuersatz für deine tatsächlich zu versteuernden Einkünfte bestimmt.
Übermittlung an das Finanzamt Deine Krankenkasse meldet die Höhe des Krankengeldes elektronisch an das Finanzamt. Die Information ist dem Finanzamt bekannt; eine manuelle Angabe ist meist nicht erforderlich, aber die Bestätigung sollte aufbewahrt werden.
Steuernachzahlung In den meisten Fällen führt der Progressionsvorbehalt zu einer Steuernachzahlung. Deine Einkommensteuerlast für das betreffende Steuerjahr steigt durch die Anwendung des höheren Steuersatzes.

Besonderheiten bei Selbstständigen und Freiberuflern

Auch für Selbstständige und Freiberufler, die freiwillig oder pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, gilt der Progressionsvorbehalt für das Krankengeld. Wenn du als Selbstständiger Krankengeld beziehst, weil du deine selbstständige Tätigkeit aufgrund von Krankheit nicht ausüben kannst, wird dieses Krankengeld ebenfalls dem Progressionsvorbehalt unterliegen. Deine tatsächlichen steuerpflichtigen Einkünfte aus deiner (ggf. eingeschränkten) selbstständigen Tätigkeit oder anderen Quellen werden dann mit dem durch das Krankengeld erhöhten Steuersatz versteuert.

Was tun, wenn du das Krankengeld falsch oder gar nicht angegeben hast?

Wenn du versehentlich dein Krankengeld nicht in der Steuererklärung angegeben hast oder die Angabe fehlerhaft war, wird das Finanzamt dies im Rahmen der Veranlagung oder durch eine eventuelle Außenprüfung feststellen. In diesem Fall wird die Steuerfestsetzung korrigiert und es kann zu einer Steuernachzahlung kommen, zuzüglich Zinsen. Es ist daher ratsam, deine Steuererklärung stets sorgfältig auszufüllen und alle relevanten Informationen korrekt anzugeben.

Solltest du unsicher sein, ob und wie du dein Krankengeld in deiner Steuererklärung angeben musst, ist es ratsam, professionelle Hilfe von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein in Anspruch zu nehmen.

Wann kommt die Steuernachzahlung auf dich zu?

Wenn aufgrund des Progressionsvorbehalts eine Steuernachzahlung für dich anfällt, erfährst du dies nach der Bearbeitung deiner Einkommensteuererklärung durch das Finanzamt. Du erhältst dann einen Steuerbescheid, der die Höhe der Nachzahlung ausweist und dir eine Frist zur Begleichung nennt. In der Regel wird die Nachzahlung für das Steuerjahr, das im Vorjahr geendet hat, im Folgejahr fällig.

Wie kannst du dich auf die Steuererklärung vorbereiten?

Um deine Steuererklärung reibungslos zu gestalten, wenn du Krankengeld bezogen hast, solltest du folgende Schritte befolgen:

  • Bescheinigung der Krankenkasse aufbewahren: Deine Krankenkasse sendet dir in der Regel eine Bescheinigung über die Höhe des ausgezahlten Krankengeldes. Hebe diese gut auf.
  • Alle Einkünfte zusammenstellen: Sammle alle Nachweise über deine steuerpflichtigen Einkünfte des betreffenden Jahres.
  • Belege für abzugsfähige Ausgaben: Halte alle Belege für Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen bereit, die du geltend machen möchtest.
  • Software oder Steuerberater nutzen: Verwende eine Steuersoftware oder beauftrage einen Steuerberater, um sicherzustellen, dass alle Angaben korrekt sind und du alle möglichen Abzüge nutzt.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Ist Krankengeld steuerpflichtig? Progressionsvorbehalt einfach erklärt

Muss ich Krankengeld versteuern?

Nein, das Krankengeld selbst ist nicht steuerpflichtig. Du zahlst keine Einkommensteuer direkt auf den Betrag des Krankengeldes. Allerdings wird es für die Berechnung deines Steuersatzes herangezogen, was deine Steuerlast für andere Einkünfte erhöhen kann (Progressionsvorbehalt).

Was genau ist der Progressionsvorbehalt beim Krankengeld?

Der Progressionsvorbehalt bedeutet, dass steuerfreie Lohnersatzleistungen wie das Krankengeld zur Ermittlung deines persönlichen Einkommensteuersatzes herangezogen werden. Dieser erhöhte Steuersatz wird dann auf deine tatsächlichen, steuerpflichtigen Einkünfte angewendet, was zu einer höheren Steuerzahlung führen kann.

Wie berechnet sich die Höhe der Steuernachzahlung durch den Progressionsvorbehalt?

Das Finanzamt addiert dein zu versteuerndes Einkommen mit dem bezogenen Krankengeld, um einen fiktiven Gesamtbetrag zu ermitteln. Mit diesem Gesamtbetrag wird ein höherer Steuersatz berechnet, der dann auf dein tatsächlich zu versteuerndes Einkommen angewendet wird. Die Differenz ist die Nachzahlung.

Muss ich die Höhe des Krankengeldes selbst in der Steuererklärung angeben?

In der Regel übermittelt deine Krankenkasse die Daten zum Krankengeld elektronisch an das Finanzamt. Du musst diese Angaben in deiner Steuererklärung in der Regel nicht mehr manuell eintragen, aber es ist ratsam, die Bescheinigung deiner Krankenkasse aufzubewahren und deine Steuererklärung auf die korrekte Einbeziehung dieser Daten zu prüfen.

Was passiert, wenn ich während des Jahres sowohl Krankengeld als auch Kurzarbeitergeld erhalten habe?

Wenn du mehrere Lohnersatzleistungen wie Krankengeld und Kurzarbeitergeld im selben Steuerjahr erhalten hast, werden diese grundsätzlich zusammengerechnet und dem Progressionsvorbehalt unterworfen. Die Summe dieser Leistungen wird zur Ermittlung deines Steuersatzes herangezogen.

Bin ich als Selbstständiger anders vom Progressionsvorbehalt betroffen?

Nein, der Progressionsvorbehalt gilt auch für Selbstständige und Freiberufler, die Krankengeld beziehen. Das Krankengeld wird in deinem Fall ebenfalls zur Ermittlung deines Steuersatzes für andere Einkünfte herangezogen.

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