Krankentagegeld und Krankengeld: Was ist der Unterschied?

Krankentagegeld und Krankengeld

Sobald du länger als sechs Wochen krankheitsbedingt arbeitsunfähig bist, stehst du vor wichtigen finanziellen Fragen. Die Begriffe Krankengeld und Krankentagegeld tauchen dabei oft auf, doch was genau verbirgt sich dahinter und welcher Unterschied besteht zwischen diesen beiden Absicherungen? Wir klären die entscheidenden Punkte, damit du deine finanzielle Sicherheit im Krankheitsfall verstehst und optimal gestalten kannst.

Krankengeld: Die gesetzliche Lohnfortzahlung im Detail

Das Krankengeld ist die Leistung, die dir von deiner gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gezahlt wird, wenn du länger als sechs Wochen ununterbrochen arbeitsunfähig bist. Voraussetzung ist, dass du von einem Arzt als arbeitsunfähig eingestuft wirst und diese Arbeitsunfähigkeit durch ärztliche Bescheinigung nachgewiesen wird. Das Krankengeld ist kein Einkommensersatz im vollen Umfang deines bisherigen Nettoverdienstes, sondern eine finanzielle Unterstützung, die dir helfen soll, deine grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken.

Wer hat Anspruch auf Krankengeld?

  • Grundsätzlich alle Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen und dafür versicherungspflichtig sind. Dazu gehören Angestellte, Arbeiter, Auszubildende und in vielen Fällen auch Arbeitslose.
  • Selbstständige, die sich freiwillig oder pflichtversichert in der GKV haben, haben ebenfalls Anspruch auf Krankengeld, sofern sie den entsprechenden Beitrag entrichten.
  • Nicht anspruchsberechtigt sind in der Regel Personen, die nicht erwerbstätig sind, wie zum Beispiel Hausfrauen/-männer oder Rentner, die nicht zusätzlich erwerbstätig sind.

Wie hoch ist das Krankengeld?

Die Höhe des Krankengeldes berechnet sich grundsätzlich nach deinem erzielten regelmäßigen Arbeitsentgelt. Es beträgt in der Regel 70 Prozent deines Bruttoarbeitsentgelts, jedoch nicht mehr als 90 Prozent deines Nettoarbeitsentgelts. Berücksichtigt werden dabei Beitragsbemessungsgrenzen. Das bedeutet, dass über einer bestimmten Einkommensgrenze keine weiteren Beiträge für die Krankengeldhöhe eingezahlt werden.

Die genaue Berechnung ist komplex und hängt von deinem individuellen Verdienst, deinem Beitragsstatus und eventuellen Sonderzahlungen ab. Die Krankenkasse stellt die genaue Höhe nach Eingang deiner Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen fest.

Wie lange wird Krankengeld gezahlt?

Das Krankengeld wird maximal für 78 Wochen innerhalb von drei Jahren gezahlt. Diese Frist bezieht sich auf zusammenhängende Arbeitsunfähigkeitsperioden wegen derselben Krankheit. Wenn du nach einer Genesung wieder arbeitsfähig bist und später erneut wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig wirst, werden die bereits bezogenen Krankengeldzeiten angerechnet. Längere Krankheitszeiten können unter Umständen zu anderen Leistungen führen, wie zum Beispiel zur Erwerbsminderungsrente.

Krankentagegeld: Die private Ergänzung zur Lohnfortzahlung

Das Krankentagegeld, oft auch als Krankentagegeldversicherung oder Krankentagegeld-Leistung bezeichnet, ist eine private Zusatzversicherung. Sie schließt die Lücke, die entstehen kann, wenn dein reguläres Einkommen im Krankheitsfall nicht mehr ausreicht. Während die gesetzliche Lohnfortzahlung nach sechs Wochen endet und das Krankengeld einen Teil des Verdienstes abdeckt, ermöglicht das Krankentagegeld dir, eine individuell festgelegte Summe zu erhalten, die deinem bisherigen Nettoverdienst nahekommt oder diesen sogar vollständig ersetzt.

Wer profitiert vom Krankentagegeld?

Das Krankentagegeld ist besonders relevant für:

  • Angestellte und Arbeiter: Auch wenn dein Arbeitgeber dir die ersten sechs Wochen dein Gehalt weiterzahlt und du danach Krankengeld von der GKV erhältst, kann die Differenz zwischen deinem Nettoverdienst und dem Krankengeld erheblich sein. Eine Krankentagegeldversicherung gleicht diese Lücke aus.
  • Selbstständige und Freiberufler: Für diese Personengruppen ist eine Krankentagegeldversicherung essenziell, da sie in der Regel keinen Anspruch auf gesetzliche Lohnfortzahlung haben. Das Krankentagegeld ist dann oft die einzige Einkommensquelle während der Arbeitsunfähigkeit.
  • Personen mit hohem Einkommen: Wer über der Beitragsbemessungsgrenze verdient, erhält im Krankheitsfall von der GKV nur einen geringeren Anteil seines Einkommens als Krankengeld. Hier schließt die Krankentagegeldversicherung die Lücke.

Wie funktioniert die Krankentagegeldversicherung?

Du schließt mit einem privaten Versicherungsunternehmen einen Vertrag ab. In diesem Vertrag legst du eine tägliche Leistung fest, die dir im Falle einer Arbeitsunfähigkeit ausgezahlt wird. Du kannst die Höhe des Tagegeldes so wählen, dass sie deinen individuellen finanziellen Bedarf deckt. Die Versicherung tritt in der Regel ab dem ersten Tag deiner Arbeitsunfähigkeit (oder ab einem vereinbarten früheren oder späteren Zeitpunkt, dem sogenannten Karenz- oder Wartezeit) in Leistung.

Was sind die Vorteile einer Krankentagegeldversicherung?

  • Finanzielle Sicherheit: Sie sichert dein Einkommen nahezu vollständig ab, sodass du deine Lebenshaltungskosten auch bei längerer Krankheit decken kannst.
  • Flexibilität: Du kannst die Höhe des Tagegeldes und den Leistungsbeginn individuell an deine Bedürfnisse anpassen.
  • Freie Verwendung: Das ausgezahlte Krankentagegeld steht dir zur freien Verfügung, du kannst es für Miete, Kredite, Lebensmittel oder andere Ausgaben nutzen.
  • Steuerliche Absetzbarkeit: Die Beiträge für eine Krankentagegeldversicherung sind in der Regel steuerlich absetzbar.

Hauptunterschiede im Überblick: Krankengeld vs. Krankentagegeld

Der grundlegende Unterschied zwischen Krankengeld und Krankentagegeld liegt in ihrer Herkunft und ihrem Zweck. Das Krankengeld ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und dient als Grundsicherung bei längerer Arbeitsunfähigkeit, während das Krankentagegeld eine private Zusatzleistung ist, die deine Einkommenslücke individuell schließt.

Merkmal Gesetzliches Krankengeld Krankentagegeld (Privatversicherung)
Leistungsträger Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) Private Versicherungsgesellschaften
Leistungsumfang Anteiliges Einkommen (max. 70% Brutto / 90% Netto), gedeckelt durch Beitragsbemessungsgrenze. Individuell vereinbarte tägliche Leistung, kann Nettoverdienst weitgehend ersetzen.
Zielgruppe Pflichtversicherte in der GKV (Angestellte, Arbeiter, viele Selbstständige, Arbeitslose). Alle, die ihre Einkommenslücke schließen möchten (insbesondere Selbstständige, Freiberufler, Gutverdiener, Angestellte).
Leistungsbeginn Nach Ablauf der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber (nach 6 Wochen ununterbrochener Krankheit). Ab dem 1. Tag der Arbeitsunfähigkeit oder nach einer vereinbarten Wartezeit.
Dauer der Leistung Maximal 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren bei derselben Krankheit. Vertraglich vereinbart, oft bis zur Genesung oder bis zum Rentenbezug.
Finanzierung Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung. Separate Beiträge zur privaten Krankentagegeldversicherung.

Wann greift welches Geld? Ein Szenario

Stell dir vor, du bist Angestellter und erkrankst. Deine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber läuft für die ersten sechs Wochen. Danach wendest du dich an deine Krankenkasse, und wenn die Arbeitsunfähigkeit weiterhin besteht, beginnt die Zahlung des gesetzlichen Krankengeldes. Dieses Krankengeld wird dir dann von der GKV ausgezahlt. Wenn dieses Krankengeld nicht ausreicht, um deine gewohnten Ausgaben zu decken, greift deine private Krankentagegeldversicherung. Diese zahlt dir dann die vereinbarte Tagegeldsumme aus, um die Differenz zu deinem Nettoverdienst auszugleichen. Für Selbstständige beginnt die Leistung des Krankentagegeldes oft schon am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit, da die gesetzliche Lohnfortzahlung entfällt.

Wichtige Aspekte bei der Wahl der Absicherung

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Krankentagegeldversicherung und bei der Festlegung der richtigen Absicherungshöhe solltest du folgende Punkte berücksichtigen:

Krankentagegeld und Krankengeld
  • Deine berufliche Situation: Bist du Angestellter, Selbstständiger, Freiberufler oder Beamter? Dies beeinflusst deinen primären Anspruch und die Notwendigkeit einer Zusatzversicherung.
  • Dein aktueller Verdienst: Berechne dein Netto-Monatseinkommen und vergleiche dies mit der Höhe des erwarteten Krankengeldes.
  • Deine Ausgaben: Liste deine monatlichen Fixkosten auf (Miete, Kredite, Versicherungen, Lebenshaltungskosten), um deinen tatsächlichen Bedarf zu ermitteln.
  • Die Laufzeit der Versicherung: Achte darauf, wie lange die Versicherung im Leistungsfall zahlt und ob sie an bestimmte Bedingungen geknüpft ist.
  • Der Leistungsbeginn: Überlege, ab welchem Tag der Arbeitsunfähigkeit du das Tagegeld erhalten möchtest. Ein früherer Beginn bedeutet oft höhere Beiträge.
  • Der Versicherer: Wähle einen renommierten Versicherer mit guten Kundenbewertungen und transparenten Vertragsbedingungen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Krankentagegeld und Krankengeld: Was ist der Unterschied?

Wann genau beginnt die Zahlung von Krankengeld?

Das gesetzliche Krankengeld wird dir von deiner gesetzlichen Krankenversicherung gezahlt, wenn du ununterbrochen länger als sechs Wochen arbeitsunfähig bist. Die ersten sechs Wochen übernimmt dein Arbeitgeber die Lohnfortzahlung, sofern du angestellt bist. Die Krankenkasse zahlt das Krankengeld ab dem 7. Kalendertag der siebten Woche der Arbeitsunfähigkeit, solange die Arbeitsunfähigkeit andauert und die Höchstdauer von 78 Wochen noch nicht erreicht ist.

Kann ich sowohl Krankengeld als auch Krankentagegeld erhalten?

Ja, das ist sogar sehr üblich und oft gewünscht. Das gesetzliche Krankengeld dient als Grundsicherung. Wenn diese Leistung deinen Nettoverdienst nicht vollständig abdeckt, springt deine private Krankentagegeldversicherung ein und zahlt die Differenz aus, bis dein vereinbarter Betrag erreicht ist. Du erhältst also beide Leistungen parallel, wobei das Krankentagegeld die Lücke des Krankengeldes schließt.

Muss ich Krankengeld versteuern?

Das gesetzliche Krankengeld ist steuerfrei. Allerdings wird es bei der Ermittlung des persönlichen Einkommenssteuersatzes für andere steuerpflichtige Einkünfte berücksichtigt. Dies nennt man Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass dein Steuersatz für dein übriges zu versteuerndes Einkommen steigen kann, auch wenn das Krankengeld selbst keine Steuer kostet.

Sind die Beiträge für eine Krankentagegeldversicherung steuerlich absetzbar?

Ja, in der Regel sind die Beiträge, die du für eine private Krankentagegeldversicherung zahlst, als Sonderausgaben im Rahmen deiner Einkommensteuererklärung absetzbar. Dies kann deine Steuerlast reduzieren.

Was passiert, wenn ich als Selbstständiger nicht versichert bin und krank werde?

Wenn du als Selbstständiger oder Freiberufler keine private Krankentagegeldversicherung abgeschlossen hast und erkrankst, erhältst du von der gesetzlichen Krankenversicherung kein Krankengeld (es sei denn, du bist freiwillig oder pflichtversichert und hast diesen Schutz gewählt). Ohne eine eigene Absicherung musst du die finanzielle Durststrecke aus eigenen Mitteln bestreiten. Dies kann schnell zu erheblichen finanziellen Engpässen führen, weshalb eine Krankentagegeldversicherung für Selbstständige besonders wichtig ist.

Wie lange kann ich Krankentagegeld beziehen?

Die Dauer, für die du Krankentagegeld beziehen kannst, ist vertraglich geregelt. Viele Versicherer bieten Tarife an, die bis zur vollständigen Genesung oder bis zum Erreichen des Rentenalters leisten. Es ist wichtig, bei Vertragsabschluss genau darauf zu achten, welche Laufzeit die Versicherung vorsieht und ob es eventuelle Höchstgrenzen gibt.

Kann ich meine Krankentagegeld-Leistung nachträglich ändern?

In vielen Fällen ist es möglich, die Höhe des Krankentagegeldes während der Vertragslaufzeit anzupassen, oft im Rahmen einer Nachversicherungsgarantie oder bei bestimmten Lebensereignissen. Dies ist jedoch nicht immer der Fall und hängt von den Bedingungen deines spezifischen Versicherungsvertrags ab. Es kann sein, dass du für eine Erhöhung eine erneute Gesundheitsprüfung durchlaufen musst.

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